Montag, 25. Oktober 2010
Ein weites Feld
Mehr als 1.500 verschiedene Förderprogramme gibt es mittlerweile in Deutschland – bereit-gestellt von EU, Bund, Ländern oder Förderinstituten. Doch wer an die öffentlichen Gelder will, muss bestimmte Kriterien erfüllen. Hier gilt es, in jedem Einzelfall genau zu analysieren, welche Bedingungen das eigene Unternehmen erfüllt. Von Martin Schwer
Ein weites Feld
Mehr als 1.500 verschiedene Förderprogramme gibt es mittlerweile in Deutschland – bereit-gestellt von EU, Bund, Ländern oder Förderinstituten. Doch wer an die öffentlichen Gelder will, muss bestimmte Kriterien erfüllen. Hier gilt es, in jedem Einzelfall genau zu analysieren, welche Bedingungen das eigene Unternehmen erfüllt. Von Martin Schwer
Wer derzeit im Internet nach ak-tuellen Nachrichten zum Begriff „Fördermittel“ sucht, findet auf Anhieb weit über 1.000 Einträge.
Viele davon haben mit ökologi-schen Investitionen zu tun. So ist beispielsweise zu lesen, dass das Bundesumweltministerium weitere Förderprogramme im Umfang von bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr vorschlägt, um die Realisierung der deutschen Klimaschutzziele bis 2050 sicherzustellen. Der Staat soll demnach den massiven Ausbau von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, die energetische Gebäudesanierung und die Klimaforschung mit neuen Programmen ankurbeln, so das Ministerium von Norbert Röttgen.
Unterschiedliche Geldgeber
Das Beispiel zeigt: Öffentliche Förderprogramme haben in der Regel mit altruistischen Motiven wenig zu tun. Sie sollen zuallererst dabei helfen, politische und ökonomische Ziele zu erreichen. Daran geknüpft sind ganz klare Bedingungen. Nur wenn ein Unternehmen diese erfüllt, steht der Zugang zum entsprechenden Fördertopf offen.
Damit ist auch klar: Es handelt sich nicht um Geschenke der Allgemeinheit, Zurückhaltung seitens der Betriebe ist also fehl am Platz. Doch angesichts der großen Anzahl verschiedener Programme und Geldgeber fällt es nicht immer leicht, den Überblick im Förderdschungel zu behalten.
Zuschüsse bis zu 100 Prozent
Schon fast sprichwörtlich ist die Komplexität der Beantragung von Fördermitteln der Europäischen Union. Die zuständigen Stellen verlangen häufig wissenschaftlich fundierte und umfangreiche Anträge in verschiedenen Sprachen.
Doch wer diese Hürden überspringt, erhält teilweise Zuschüsse von bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten. Programme bestehen beispielsweise in den Bereichen Energieeffizienz, Aus- und Weiterbildung, Forschung, Unternehmensfinanzierung, Außenwirtschaft und Infrastruktur.
Je nach Programm müssen diese direkt bei den zuständigen Organen der EU beantragt werden, oder es bestehen Rahmenkonzepte und die Verwaltung der Mittel erfolgt durch nationale Stellen. Dabei gilt es zu beachten, dass die Antragsfrist vieler Programme zeitlich begrenzt ist und Neuanträge ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr möglich sind, obwohl das Programm noch läuft.
Zahlreiche Ansprechpartner
Vergleichsweise einfach gestalten sich dagegen die Anträge für die Programme von Bund und Ländern. Bundesfördermittel werden etwa von Ministerien, Handwerkskammern und den bundeseigenen Banken verwaltet. Auch hier muss die Beantragung direkt bei den zuständigen Stellen erfolgen, etwa bei den lokalen Agenturen der Bundesagentur für Arbeit.
Eine Ausnahme bilden allerdings die bekanntesten Programme – die Gelder der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und KfW Mittelstandsbank gibt es nur über den Umweg der Hausbank. Auch auf Länderebene sind meist die jeweiligen Ministerien zuständig, etwa die für Wirtschaft, Arbeit, Forschung oder Soziales.
Darüber hinaus gibt es manche Ländermittel bei regionalen sowie weiteren privaten oder halb öffentlichen Stellen. Aufgrund dieser Vielfalt ist keine standardisierte Beantragung möglich. Wer hier Förderung in Anspruch nehmen will, kommt um eine genaue Analyse seiner Situation und der geeigneten Programme kaum herum.
Für jeden Bereich etwas
Dabei gibt es sogar speziell für die Druck- und Medienbranche aufgelegte Programme, so wie es etwa auch Agrar- oder Biotechnologieförderungen gibt. Zunächst sind hier die zahlreichen Filmförderungen von Bund und Ländern zu nennen, aber auch Darlehen für Investitionen im Medienbereich.
Allerdings geht es dabei primär um kulturelle Programme. Das heißt: Die Bundesländer wollen Medien- und Filmproduktionen in ihre Region locken. Ziel der Maßnahmen ist es meist, „kulturwirtschaftliche Effekte“ sowie eine regionale Verankerung der Unternehmen und Projekte zu erreichen.
Der klassische Druckdienstleister wird also in der Regel wenig von derartigen Programmen profitieren können. Wer jedoch multimediale oder audiovisuelle Produkte herstellt oder Anlagen kauft, sollte sich genau informieren, ob in seinem Bundesland entsprechende Mittel bereitstehen.
Wer diese Programme nicht in Anspruch nehmen kann, dem bleiben die allgemeinen Förderungen für Unternehmen, die so gut wie jeder Branche offenstehen. Ist keine Zeit für die entsprechende Recherche, bleibt der Weg zu professionellen Förderberatern.
Förderung ist Ergänzung
Neben der eigenen Hausbank und den Ministerien haben sich hier zahlreiche Beratungsunternehmen angesiedelt, die eine entsprechende Analyse durchführen. Diese ist in der Regel kostenpflichtig, Angebote gibt es jedoch bereits ab etwa 100 Euro.
Ganz wichtig: Fördermittel sind im Regelfall kein Ersatz für einen Bankkredit, sie dienen oft als zusätzliche Sicherheit bei der Kreditgewährung, beispielsweise in Form von Bürgschaften, oder sie wirken indirekt wie beispielsweise Steuererleichterungen.
Große Vielfalt
Es lassen sich unterschiedliche Arten der Förderung unterscheiden:
• Beteiligungen
• Bürgschaften
• Darlehen
• Garantien
• Indirekte Förderungen
• Mezzaninekapital
• Zuschüsse
Unternehmen der Druck- und Medienbranche profitieren dabei vor allem von der Unterstützung bei der Kreditvergabe und von geförderten Krediten. In Anspruch nehmen lassen sich die öffentlichen Gelder für Investitionsförderung, Umweltprogramme oder Innovations- und Forschungsunterstützung. Vor allem in Zeiten höherer Zinsen sind die günstigen Konditionen sehr attraktiv. Allerdings werden diese meist erkauft durch lange Laufzeiten von bis zu 25 oder 30 Jahren.
Unverzichtbar sind öffentliche Förderungen oftmals dann, wenn es um alternative Finanzierungen geht. Denn viele Nachrangdarlehen und stille Beteiligungen über mittelständische Beteiligungsgesellschaften werden ausschließlich parallel zu einer öffentlichen Förderung gewährt. Allerdings greifen viele der Förderprogramme nur dann, wenn alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten schon ausgeschöpft sind.
Der Weg zur Förderung
Sehr hilfreich für die Auswahl und Identifizierung sind zunächst die Datenbanken im Internet. Hier gilt es, die passenden Programme auszuwählen. Auch die Einschaltung eines spezialisierten Beraters kann im Einzelfall bei der Suche sinnvoll sein. Im zweiten Schritt folgt die Klärung der Voraussetzungen. Nur wenn alle Bedingungen tatsächlich vollständig erfüllt sind, ist eine Förderung mit den entsprechenden Mitteln möglich.
Darüber hinaus muss das Ver-hältnis der Geldquellen stimmen. Die Anteile von Eigenkapital und Förderprogrammen sind jeweils individuell vorgeschrieben, es gibt keine pauschalen Grenzen. Klar ist zudem, dass viele Programme einer strikten Zweckbindung unterliegen.
Recherche und Beantragung
Sind diese Grundvoraussetzungen geprüft und geklärt, geht es an die Beantragung. Wo diese erfolgen muss, steht in den Richtlinien jedes Programms. Aber Achtung: Nur wer richtig, vollständig und mit aussagekräftigen Argumenten einen Antrag stellt, hat realistische Chancen auf eine Zusage.
Selbstverständlich dürfen Firmen Projekte erst dann starten, wenn alles unter Dach und Fach ist. Eine Förderung mit öffentlichen Mitteln kommt ohnehin meist dann infrage, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Aufgrund der komplexen Recherche und Beantragung sowie der vielfältigen Bedingungen und Voraussetzungen sind Förderprogramme nur selten für schnelle und flexible Finanzierungen geeignet.
erschienen in: Druck und Medien 10-2010
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